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Reorganisation und Mitbestimmung von Care-Arbeit. Interessen und Anerkennungsansprüche der Beschäftigten / REMICA

Ziel und Aufgabenstellung

Die „stationäre Krankenhausversorgung“ und die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung in Kitas sind Bereiche der Care-Arbeit von enormer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung. Vorliegende Prognosen zur Arbeitsmarktentwicklung, zu Beschäftigungs- und Wertschöpfungseffekten verweisen darauf, dass für die Zukunft der Arbeit in Deutschland Care-Arbeit eine bedeutende Rolle spielen wird. Aktuell befindet sich Care-Arbeit in einem arbeitspolitisch geprägten Reorganisationsprozess, der die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten auf betrieblicher Ebene und den Charakter dieser professionalisierten, personenbezogenen und interaktiven Care-Arbeit nachhaltig verändert. Diese Veränderungen werden maßgeblich „vor Ort“ erfahrbar, verhandelt und mitbestimmt. In betrieblichen Reorganisationsprozessen können die beteiligten AkteurInnen – zu denen bei Care-Arbeit immer auch die PatientInnen/KlientInnen/KundInnen gehören –  durchaus divergierende Ziele verfolgen. Hierbei verfügen sie über unterschiedliche Einflussmöglichkeiten und Machtressourcen.

Das Projekt REMICA untersucht betriebliche Reorganisations- und Mitbestimmungsprozesse in zwei Bereichen von Care-Arbeit: Krankenhäusern und Kitas. Das Erkenntnisinteresse liegt auf der Frage, welche Ziele die Beschäftigten hinsichtlich der Reorganisation verfolgen und inwiefern diese realisiert werden. Einerseits, so unserer Annahme, geht es den Beschäftigten darum, materielle Arbeitsbedingungen (z.B. Vergütung, Arbeitszeiten, Nebenleistungen) zu verbessern. Gleichzeitig verfolgen die Beschäftigten den Anspruch, dass ihre berufsfachlichen Leistungen als hochwertig, produktiv und gesellschaftlich unerlässlich anerkannt werden. Diese Gleichzeitigkeit stellt betriebliche Interessenvertretungen vor erhebliche Herausforderungen, da Interessen und Anerkennungsansprüche durch unterschiedliche, teils sogar gegenläufige, arbeitspolitische Maßnahmen realisiert werden können und müssen.

Vor diesem Hintergrund zielt das Projekt in einer qualitativ angelegten und branchenvergleichenden Forschung darauf,

  1. Komplementaritäts- und Spannungsverhältnisse zwischen Interessen, vielfältigen und teils widersprüchlichen Anerkennungsansprüchen der Beschäftigten zu explorieren,
  2. Veränderungen des Zusammenspiels von Interessen und Anerkennungsansprüchen im Verlauf betrieblicher Reorganisationsprozesse zu analysieren,
  3. Konsequenzen spezifischer Konstellationen von Interessen und Anerkennungsansprüchen für die Zukunft betrieblicher Mitbestimmung zu skizzieren,
  4. Potenziale und unausgeschöpfte Gestaltungsspielräume für „Gute Arbeit“ zu identifizieren.

Im Ergebnis wird das Forschungsvorhaben unter anderem Antworten auf die Frage liefern, wie und durch welche Strategien betriebliche Mitbestimmung künftig vor dem Hintergrund differenzierter und auch widersprüchlicher Interessen und Anerkennungsansprüche von Beschäftigten gestaltet werden kann.

Das Forschungsprojekt wird in Kooperation des Instituts Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule, Gelsenkirchen, und des Instituts für Soziologie der Leibniz Universität Hannover durchgeführt.

Gefördert wird das Projekt von der Hans-Böckler-Stiftung (HBS, Düsseldorf) im Forschungsschwerpunkt „Mitbestimmung im Wandel“. Laufzeit des Projektes ist der Zeitraum September 2016 - August 2018.

Vorgehen

Die Analyse des Zusammenhangs betrieblicher Reorganisationsprozesse, der Konstruktion und Dynamik von Interessen und Anerkennungsansprüchen im praktischen Bewusstsein der Beschäftigten sowie der innerbetrieblichen Austauschbeziehungen basiert auf einem qualitativen und prozessorientierten Forschungsdesign. In dessen Mittelpunkt stehen [1] eine Kartografie von Strukturen, Akteuren und Trends der Mitbestimmung im Krankenhaussektor sowie im KITA-Bereich, [2] die Identifizierung und Katalogisierung betrieblicher Reorganisationsfälle sowie [3] die Durchführung von Betriebsfallstudien. Diese werden durch problemzentrierte und episodische Interviews sowie durch Gruppendiskussionen fundiert. Im Anschluss an die inhaltsanalytische Auswertung der gewonnenen Daten [4] erfolgt die branchenvergleichende Darstellung, Zusammenführung und Interpretation der Ergebnisse [5]. Die Erkenntnisse des Projektes werden als Projektbericht sowie perspektivisch als Buchpublikation aufbereitet [6].

Projektteam IAT

Prof. Dr. Josef Hilbert

Michaela Evans (Projektleitung, Projektbearbeitung)

Christoph Bräutigam (Projektbearbeitung)

 

Projektteam Institut für Soziologie, Leibniz Universität Hannover

Prof. Dr. Gabriele Wagner

Stefan Kerber-Clasen (Projektleitung, Projektbearbeitung)

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