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Sozioökonomie des Ehrenamtes: Theorie der nicht-entlohnten haushaltsextern organisierten Produktion

Sozioökonomie des Ehrenamtes: Theorie der nicht-entlohnten haushaltsextern organisierten Produktion. Gelsenkirchen: Inst. Arbeit und Technik. Veröffentlichung im Rahmen des WZN-Verbundprojektes "Zukunft der Arbeit II": Diskussionspapier, Nr. 13 - Graue Reihe des Instituts Arbeit und Technik, Nr. 2000-14

Erlinghagen, Marcel

Zusammenfassung:

Ausgehend von der seit einiger Zeit in Wissenschaft, Politik und Teilen der Öffentlichkeit geführten Debatte über die ‚Zukunft des Ehrenamtes‘ geht die vorliegende Arbeit der Frage nach, welche charakteristischen Merkmale ehrenamtliches Engagement von anderen produktiven Tätigkeiten abgrenzen. Es zeigt sich hierbei, dass es wenig sinnvoll ist, von dem Ehrenamt zu sprechen, sondern dass sich verschiedene formale Ausprägungen (Phänotypen) sowie inhaltliche Erscheinungsformen (Genotypen) differenzieren lassen. Es wird ein Schema vorgestellt, das eine Zuordnung realer Ehrenämter in ein idealtypisches Raster ermöglicht. Dadurch wird nicht nur eine einheitliche Begriffsgrundlage geschaffen, sondern mit Hilfe dieses Schemas wird ebenfalls deutlich, welche Güter wo und durch wen in Form ehrenamtlichen Engagements produziert werden.

Darauf aufbauend wird mit Hilfe eines mikroökonomische Begriffsapparates eine Theorie ehrenamtlicher Arbeit vorgestellt. Ein zentraler Punkt wird hierbei die Verbindung haushalts- und institutionenökonomischer Modelle einnehmen, um die Frage nach den individuellen Erträgen ehrenamtlicher Arbeit zu beantworten. Die institutionenökonomische Theorie begründet dieses Phänomen mit Transaktionskostenvorteilen sowie Unteilbarkeitsproblemen, die unter gewissen Umständen eine ehrenamtliche Produktion gegenüber anderen denkbaren Alternativen bevorteilt.

Die Entscheidung für die Erstellung eines Gutes in ehrenamtlicher Produktionsweise ist als ein komplexer Prozess zu verstehen, in dem die begrenzt rationalen und durch opportunistisches Verhalten Dritter bedrohten Individuen versuchen, ihren Nutzen zu maximieren. Diese Nutzenmaximierung erfolgt nicht nur durch eine Minimierung der Produktionskosten im engeren Sinn; die Minimierung von Transaktionskosten bei gleichzeitiger Maximierung von Größenvorteilen sowie einer Maximierung evt. Kuppelprodukte scheinen die entscheidender Faktoren bei der Entscheidung für ehrenamtliche Arbeit zu sein.

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