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Perspektiven der Regionalentwicklung zwischen Differenzierung und Kohärenz / PerRe

Ziel und Aufgabenstellung

Die Umsetzung von Regionalisierungsstrategien erfolgt in den Regionen sehr unterschiedlich. In der Diskussion stehen in der Regel als erfolgreich angesehene Modellprojekte im Mittelpunkt, die Praxis ist überwiegend von einer oft als frustrierend empfundenen Routine geprägt. Die Kompetenz zur politischen Gestaltung in den einzelnen Regionen ist offenbar sehr unterschiedlich entwickelt und wird möglicherweise durch einen Trend zur Spezialisierung regionaler wirtschaftlicher Strukturen verstärkt. Diese neuen Aspekte regionaler Ungleichheit werden in den mittlerweile auf allen Ebenen vorliegenden Programmen zur Raumentwicklung bisher nur in Ausnahmefällen, etwa im niedersächsischen Landesraumordnungsprogramm, berücksichtigt.

Aus der Perspektive einer regional und sektoral differenzierten Industriepolitik stellt sich damit die Frage, inwieweit hierdurch neue regionale Ungleichheiten entstehen. Zu klären ist, wie das Verhältnis zwischen Ungleichheiten als Konsequenz industrieller Strukturen einerseits, politischer Gestaltungskompetenz andererseits aussieht. Der Leitgedanke des Projekts bestand daher darin, inwieweit politische Instrumente gestaltbar sind, welche eine differenzierte Regionalentwicklung ermöglichen oder auch anregen, gleichzeitig aber die gerade für Europa als unabdingbar anzusehende Kohärenz nicht aus dem Auge verlieren.

Hieraus ergaben sich folgende Leitfragen:

  • Bestehen Möglichkeiten der Kompensation regionaler Strukturschwächen oder bestehen positive oder negative Rückkopplungsschleifen?
  • Bietet eine Profilierung regionaler Strukturen die Chance, sich dem Druck globaler regionaler Konkurrenz ein Stück weit zu entziehen und wenn ja, welche Folgen ergeben sich hieraus für eine künftige europäische Raumstruktur?
  • Inwieweit sind Netzwerkkonzepte geeignet, eine nichthierarchische Zusammenarbeit zwischen Regionen zu vertiefen?

Vorgehen

In einem ersten Arbeitsschritt wurde untersucht, inwieweit traditionelle und neue Konzepte der Regionalentwicklung geeignet sind, die politischen und wirtschaftlichen Differenzierungstrends zu erklären. Zu diskutieren waren zum Beispiel der Zentrale-Orte-Ansatz, Wachstumspolansätze, Weiterentwicklungen der Agglomerationstheorie, der Produktionsclusteransatz oder World-City-Konzepte.

In einem zweiten Arbeitsschritt erfolgte eine Bestandsaufnahmen der raumordnungspolitischen Diskussion, wobei insbesondere die Konzepte einer europäischen Raumentwicklung und deren Beziehung zu nationalen und subnationalen Raumordnungsprogrammen interessierten.

Drittens wurden wesentliche Trends der europäischen Raumentwicklung aufgearbeitet und interpretiert. Hierbei stand besonders die Frage im Mittelpunkt, welche Indikatoren (Mindeststandards, Innovationsfähigkeit in einem weiten Verständnis, Nachhaltigkeit) geeignet sind, die Beurteilung einer europäischen Raumentwicklung zu ermöglichen.

Viertens wurde herausgearbeitet, welchen Beitrag welche Instrumente (Finanzausgleich, prozedurale Instrumente, regionale Autonomie oder zentrale Vorgaben) für eine künftige regional differenzierte Industriepolitik in Europa leisten können.

Die Durchführung erfolgte durch die Vergabe von Werkverträgen, durch Diskussion in Expertenworkshops und eigene Untersuchungen.